23. Februar 2008

"Biker" Erste Hilfe Kurs beim BRK (Bayer. Rotes Kreuz)

Filed under: Allgemein,Motorrad — admin @ 02:24

Wir waren aufgrund einer Fehlprogrammierung im Webinterface nur drei Leute, eine Harley-Fahrerin, einer mit einer R1150GS und meine Wenigkeit, die Kursleiterin war eine sehr nette Frau, die als Sozia fährt.

Los ging es mit dem grundsätzlichen Vorgehen bei Notfällen, Unfallstelle absichern, Warnweste anziehen, falls vorhanden, 112 anrufen (die Nr. wird bis Ende 2008 die zentrale Notrufstelle in vielen Länderen Europas sein, dazu sagen, daß es sich um einen verunglückten Motorradfahrer handelt, sollte man dazu sagen, dann gehts etwas
schneller mit der Rettung), sich um Verletzte kümmern.

Weiter ging es mit Schockbekämpfung, Betreuung und Lagerung von Notfallpatienten, Maßnahmen bei thermischen Notfällen,  zwischendurch immer praktische Übungen.

Danach um Ursachen und Maßnahmen bei Bewußtlosen, es wurde erklärt und von jedem geübt, wie man jemanden aus jeder Position in die stabile Seitenlange bringt.

Das Thema „Helmabnahme“ interessierte uns alle besonders, erst wurde geübt, wie man das zu zweit macht, anschließend alleine.

Bei letzterem wird ein Hilfsmittel (Jacke etc.) als Stütze eingesetzt, in dem Zusammenhang wurde auch erwähnt, daß alle eigenen Schäden von der aftplichtversicherung des Verletzten bezahlt werden (evtl. zusammengefahrener Helm, dem ein Warndreieck übergestülpt wurde usw.), hat der keine, zahlt die Gemeindekasse.

Es folgte eine längere Diskussion über das Für und Wider der Helmabnahme, Leute, die nicht wissen, wie man das korrekt durchführt, sollten besser die Finger weg lassen.

Ansonsten kommt es auf die Situation an, Mund muß tiefster Punkt des Körpers sein bei der anschließenden stabilen Seitenlage, wenn das gewährleistet ist, muß man den Helm nicht abnehmen.

Es gab Fälle, wo der Helm so eng saß, daß man daran fest ruckeln müßte, um ihn abzubringen, das sollte nicht geschehen, Kopf und Wirbelsäule sollten bei der Helmabnahme immer eine Achse bilden.

Gelernt wird einem die Helmabnahme in der Annahme, daß eine Verletzung der HWS vorliegt.

Bei Jethelmen geht eine stabile Seitenlage idR auch mit Helm, bei anderen Helmen teilweise auch, man muß das halt richtig einschätzen.

Da wir nur zu dritt waren, hatten wir Zeit für HLW, was ursprünglich nicht vorgesehen war, 30 Mal Herz drücken, 2 Mal beatmen, wenn man bei Fremden aufgrund Infektionsgefahr nicht beatmen will, läßt man das weg. Es gibt praktische Anhänger mit einer Beatmungsfolie, damit ist man selbst geschützt.

Herzwiederbelebung findet auf immer auf nackter Brust statt, egal bei welcher Temperatur, Entfernen der Kleidung ohne Rücksicht auf Verluste, nach 10 Min. ist das Unfallopfer bereits tot.

Zum Schluß haben wir noch die Versorgung von Wunden und Knochenbrüchen
gelernt, Druckverband usw.
Die Kursleiterin hat einiges aus ihrem reichen Erfahrungsschatz berichtet, wie sich Jeans in die Haut reinbrennt, das kann auch bei einem Sturz mit geringer Geschwindigkeit passieren, die wird dann unter Narkose wieder rausgeschält, oder wie der Aldi-Helm einer Fahrerin aussah, die mit 200 km/h gestürzt ist (25 Knochenbrüche im Gesicht).

Ein Schuberth war da, mit dem jemand mit 100 km/h aus der Kurve flog und mit dem Kinnschutz an einem Verkehrschild aufprallte, der Kinnschutz war fast durchrasiert (die Feuerwehr mußte Dame samt Helm rausschneiden), die Fahrerin hatte am Kinn nicht mal nen Kratzer, wer am Helm spart, setzt im Zweifelsfall sein Leben aufs Spiel.

Der Harley-Fahrerin ging der Arsch deswegen ganz schön auf Grundeis, mit Jethelm wäre die Frau hin gewesen, tjo.

Der Ersthelfer ist durchs Gesetz bestens geschützt, was er allerdings nicht darf, ist Medikamente verabreichen, auch nicht auf Anforderung, kein Aspirin, gar nix.

Eine sehr gelungene Veranstaltung mit netten Leuten, wir haben eine Menge gelernt und Spaß dabei gehabt.

Mein Fazit zur Helmabnahme ist: kommt auf die Situation und den Helm an, nachdem ich nun weiß, wie man den Helm fachgerecht abnimmt (auch alleine), würde ich im Zweifelsfall immer den Helm abnehmen.

Wenn Magensäure in die Luftröhre gerät und die Lungenbläschen angreift, kann das einen langsamen (ca. 10 Tage) und qualvollen Tod bedeuten, es gibt keine Behandlung, die das ändern könnte.

Ich kann nur jedem empfehlen, sein Wissen aufzufrischen, der R1150 Fahrer berichtete von einem Unfall, große Gruppenausfahrt, einen hats erwischt, der Rest lief kopflos (Schock) rum, keiner war fähig, dem Freund zu helfen, er hat das dann gemacht.

Zu mehreren fahren bedeutet nicht, daß die Bekannten oder Freunde auch in der Lage sind zu helfen.

Einen Parkplatz direkt vorm Haus (Münchener Innenstadt)  gabs auch 🙂
http://www.sanflorimal.de/index-Dateien/mopped/gamay_ehk.jpg
und ne Bestätigung
http://www.sanflorimal.de/index-Dateien/mopped/ehk.jpg
wenn ich nun aktive Erste Hilfe unterlasse, bin ich dran