Urlaub in Polen 2011 - Gespann fahren lernen
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17.08.2011 - Irre Fahrt dank Garmin-Navi

Vor ein Uhr war ich bereits bei Frankfurt/Oder und freute mich, daß es bisher keinen Stau gab. In Polen wird die AB gerade gebaut oder erneuert, jedenfalls ging es ewig einspurig weiter, dann folgte eine Umleitung. Mein Motorradnavi hat den Kartensatz von Polen drauf, ich gab das Ziel ein, mit der Zeit wurden die Straßen immer "dünner", bis ich auf Feldwegen durch den Wald fuhr.

Manchmal gab es sogar eine Steinstraße, die stammte wohl noch von den Römern, ansonsten Schlaglochpisten, teilweise mit Sand, die mit einer Enduro sicher Spaß machen würden, aber gar nix für meinen Nissan sind.

Über zwei Stunden fuhr ich so kreuz und quer durch stille Wälder, ohne meinem Ziel in irgend einer Weise näher zu kommen. Endlich gelang es mir, von einer Schotter- zu einer Teerstraße zu finden, die mich glücklicherweise irgendwann zu einer Bundesstraße führte.

Hurra, ich war der Wildnis entronnen, hielt an der nächsten Tanke und wollte eine Landkarte von Polen kaufen. Leider hatte ich keine Landeswährung und Euro nahm die Dame nicht an, also ließ ich mir zeigen, wo ich bin und merkte mir die ungefähre Route.

Ich Depp hatte nämlich sämtliche Reiseunterlagen meines Veranstalters zu Hause vergessen, den Fotoapparat leider auch. Drei Orte hatte ich mir aber fürs Navi auf einen Zettel notiert, nur leider funktionierte das Garmin nicht wie gewünscht, sondern leitete mich immer wieder in die Wüste.

Gegen vier war ich meinem Ziel ziemlich nahe und fragte in einem größeren Ort nach dem Weg. Was die Dame mir erklärte, verstand ich nicht, nachdem ich ein bissi wirr in der Gegend rumgefahren war, probierte ich mein Auto-Navi zu programmieren. Und siehe da, der Kartensatz von Polen war drauf - hätte ich das bloß gleich getestet.

Ich fand den Zielort in der Pampa, nur leider waren die Gehöfte, die dazu gehören, alle einzeln mitten im Wald verstreut und ich hatte keine Hausnummer *grummel*. Eine Stunde fuhr ich alle möglichen Feldwege ab, jemanden zu fragen, war ja hoffnungslos, da hier wohl kaum jemand Deutsch oder Englisch spricht.

Ein mal hat mein Auto ein kleiner Hund verfolgt, das war krass, er wollte wohl in die Reifen beißen, ein Glück, daß ihm dabei nix passiert ist.

Als ich ein wenig verzweifelt war, riß ich die Notleine und rief meine Tante zuhause an, damit sie in meinen Unterlagen nach der Hausnummer schaute. Mit dem deutschen Handy aus Polen in Deutschland anrufen ist nicht gerade billig, der Anruf war aber alternativlos *g*.

Erfahren habe ich, daß ich nur 3 Min. vom Hof Sandsee entfernt war - hurra, angekommen mit ca. 3,5 Std. Verspätung. Was solls, Hauptsache, man lernt aus seinen Fehlern.

Von Raymund, dem Meister des Gespannfahrens, erfuhr ich, daß noch zwei weitere deutsche Frauen hier sind, aber nur bis Samstag, sie wohnen im Gästehaus und essen nicht mit uns.

Ich lud das Auto aus und duschte, anschließend bekuckte ich die Pferde, alle ziemlich groß. Der Hofhund Rex und drei Katzen haben mich gleich ins Herz geschlossen, eine vierte Katze war (noch) etwas scheu. Zwei Mietzen schauen aus wie meine verstorbene Mouse-House, die Scheue wie Mucki (schildpatt).

Der Hof liegt völlig einsam im Wald, zu einem See scheint es nicht weit zu sein, werde ich morgen testen. Mein Zimmer ist prima, das Bad habe ich für mich alleine mangels weiterer Gäste, es gibt noch einen Eß- und TV-Raum, der gemütlich ist.

Raymund hat mit mir zu Abend gegessen, ich erzählte ihm von meinen Hafis. Er meinte, 13 Jahre seit "zu alt" zum Einfahren, er hält mich wohl für verrückt *g*. Es gab ja auch eine Bereiterin, die meinte, mit 11 Jahren seinen sie zu alt zum Anreiten, aber jünger manchen kann ich sie halt nicht :-).

Als ich ihm erzählte, ich sei blutiger Anfänger, hat er vermutlich innerlich mit den Augen gerollt und für acht Uhr eine Einführung zum Leinen halten angesetzt, weil wir morgen bereits Kutsche fahren.

Sich die Leinenhaltung zu merken, ist gar nicht einfach, ich habe mir eine Eselsbrücke gebaut, die Peitsche muß man auch noch halten. Daneben gibt es eine Grund-, eine Gebrauchs- und eine Arbeitshaltung. Lenken hat er mir auch gezeigt, der äußere Zügel gibt leicht nach und der innere wird etwas angenommen, das ist wie beim Reiten. Zum Zügel verkürzen (1/4 bis ganze Parade) gibt es vier Möglichkeiten, ich muß alles nachher nochmals in meinem Buch nachlesen und üben.

In einer Woche kann man nicht viel lernen, meint Raymund, ich denke, es ist ein Anfang. Erst mal muß ich ja Barbie und Nepomuk entsprechend ausbilden, was nicht von heute auf morgen geht. Barbie auf Nepomuks Stand bringen, dürfte schnell gehen, beide müssen dann lernen, einzeln eine Schleppe zu ziehen, daneben muß ich das Fahren vom Boden aus mit LG-Zaum intensivieren.

Wenn das soweit sitzt, kann ich mit beiden gleichzeitig vom Boden aus Fahren üben, dazu muß ich sie vorne aber zusammen binden und mir Achenbach-Zügel kaufen. Frei longieren werde ich beide auch, sobald Barbie wieder was arbeiten kann, damit sie sich an das nebeneinander laufen in der Kurve gewöhnen.

Alles ne Menge Arbeit, ab Herbst wird es aber einfacher, kein kranker Nepomuk und kein Weide abmisten mehr. Da bleibt dann Zeit übrig, die ich zur Ausbildung nutzen werde.



18. August 2011 - erster Unterricht

Um halb neun gab es Frühstück, danach wollte ich beim Pferde putzen und Geschirr anziehen helfen, kam aber zu spät. Raymund und sein Helfer erledigten das in Rekordzeit, ehe ich mich versah, hieß es, auf den Bock steigen. Ich bekam die Leinen in die Hand gedrückt und durfte sofort selbst fahren - grandios.

Brak und Prot sind Schlesier, schwere Warmblüter mit einem Gewicht zwischen 600 bis 650 kg, Das zweite Gespann ist ebenfalls dieser Rasse, die Pferde heißen Lemur und Irak.

Ich fuhr also auf den sehr großen Trainingsplatz, eine umfunktionierte Wiese mit außenrum einer Sandspur fürs Gespann. In dem Sand ist der gummibereifte Wagen nicht sehr leicht zu ziehen, denke ich mir, die Pferde sind allerdings ziemliche Muskelpakete, sie sind das gewohnt. Raymund hat beide Gespanne schon einige Jahre, sie gehen fast täglich bis auf die Winterzeit, sind also super trainiert.

Die Peitsche mußte ich glücklicherweise nicht halten, hatte bereits mit den Leinen genug zu tun. Bis auf einen Fehler am Anfang, als mir das Gespann aus der Spur lief, klappte alles gut. Die meiste Zeit wurde getrabt, ca. 40 Min., ich habe gestaunt, daß die Pferde die Gangart halten, bis sie was anderes mitgeteilt bekommen.

Wichtig beim Fahren ist, man hat ständig einen Kontakt zum Pferdemaul, was am Anfang gar nicht so einfach ist, weil man mit dem Verlängern und Verkürzen der Leinen noch nicht routiniert und schnell ist.

Auf einen Kreis in der Mitte, der die Größe eines Zirkels hat, fuhr ich auch, immer im Trab, Brak und Prot lassen sich unheimlich leicht lenken. Daher ist es auch fatal, wenn man z. B. einen Zügel etwas lockerer hat, das versteht das Pferd als Nachgeben und richtet sich danach aus (läuft nach links oder rechts).

Der Unterricht hat mir sehr gut gefallen, Raymund ist ruhig und gelassen, man wird freundlich korrigiert. Nach 1 Std. fuhr ich zurück zum Stall, da erschrak sich ein Pferd, evtl. wegen einer Bremse, plötzlich zogen beide voll an. Bevor ich überhaupt reagieren konnte, hatte Raymund schon in die Leine gegriffen und beide mit einer Notbremsung gestoppt.

Gefahren wird mit Kandare und Kinnkette, wenn man da ordentlich anzieht, bevor die Pferde richtig Fahrt aufgenommen haben, ist alles sofort wieder in Butter. Beim Fahren muß man stets aufpassen und blitzschnell reagieren, sonst wird es schwierig.

Ich denke schon, daß ich Barbie und Nepomuk gebißlos fahren kann, wenn ich sie entsprechend ausbilde. Beim Reiten werde ich zukünftig noch besser darauf achten, ihnen nichts durchgehen zu lassen - das Tempo bestimme ich!

Nach dem Fahren fuhr ich nach Miedzychod, habe erst mal getankt, da konnte ich mit meiner EC-Karte, V-Pay, bezahlen, die z. B. in Österreich nicht funktioniert. In einer Bank tauschte ich Geld um, Polen hat ja keinen Euro, der Kurs ist ca. 4:1. Danach kaufte ich im Supermarkt Getränke und Zigaretten ein, alles ziemlich günstig hier für Deutsche. Die Polen verdienen ja wesentlich weniger als wir, daher müssen die Lebenshaltungskosten natürlich geringer sein.

Nach dem Mittagessen ging ich an den See, fand einen Steg nur für mich alleine, das Wasser war zwar etwas frisch, ich bin trotzdem
das erste mal in diesem Jahr geschwommen - herrlich. Die Landschaft ist wunderschön und es herrscht eine Ruhe und Stille, wie ich sie
bisher selten erlebt habe. Fast keine Anwohner an dem gar nicht kleinen See, keine Touristen, den Weg zum See muß man sich selbst suchen, selbst Trampelpfade sind kaum benutzt.

Hier muß man mit sich alleine zufrieden sein, kann die Seele baumeln lassen und entspannen. Es gibt keinen Streß, keine Hektik und keine Arbeit für mich, meine Mithilfe im Stall mußte ich Raymund heute fast aufdrängen. Heimlich habe ich die Kandarren ganz sauber geputzt, macht mir ja Spaß.

Drei Krimis hatte ich mir gekauft, einen kannte ich leider schon (Simon Beckett - Leichenblässe), zwei sind ein bissi wenig und ich weiß nicht, ob es hier in Polen deutsche Bücher zu kaufen gibt.

Reiten fällt aus, die anderen drei Pferde im Stall gehören einer Einstellerin und Raymunds Schlesier werden nur gefahren. Na, einen Markt werde ich mal besuchen, muß meine Zlotys ja unters Volk bringen :-), falls mir langweilig wird, mache ich Ausflüge, da wird sich schon was finden.

Nachdem ich ab Samstag der einzige Gast bin, darf ich beide Gespanne fahren, also insgesamt 2 Std. am Tag, hoffentlich eine davon bald ins Gelände.

Das Buch "Abzeichen im Fahrsport" habe ich heute komplett am See gelesen, Theorie schadet nicht, aber Fahren lernt man nur durch Fahren. Angst habe ich keine, nur Respekt, die Schlesier sind allerdings superbrav. Die Hafis werden es vermutlich nicht sein, Angst habe ich auch vor ihnen keine, wir werden das gemeinsam packen.

Mein Plan, mit Barbie und Nepomuk beim Ausfahren immer nur Schritt zu gehen und nur wenig Trab, habe ich heute ad acta gelegt. Das Gegenteil wird der Fall sein, viel Arbeitstrab und wenig Schritt. Man muß sie natürlich langsam antrainieren, beide haben nicht die Kondition, um eine 1/2 Std. am Stück zu traben (denke ich mal).

Zu fressen bekommen die Schlesier am Tag 8 - 10 kg Heu, das ist wenig im Vergleich zu den Hafis. Dazu jeder fast 4 kg Hafer/Gerste, verteilt auf drei mal, im Winter ohne Arbeit 3 kg.

Stundenweise dürfen die Pferde hier auf die Weide, den Rest stehen sie in der Box, ca. 20 Std. am Tag. Dagegen leben die Hafis wie im Paradies in ihrem Offenstall mit Weide.

Wenn ich zurück bin, ist Barbie hoffentlich soweit fit, daß ich mit ihr die Ausbildung zum Kutschpferd anfangen kann, viel laufen muß sie dabei ja erst mal nicht. Nepomuk wird weiter vom Boden aus gefahren, nun mit LG-Zaum, bis das zuverlässig klappt.



19. August - Entspannen und erholen

Den kleinen Kreisel fahren auf der rechten Hand klappte heute nicht, die Pferde liefen mir sozusagen "aus dem Ruder", geschimpft bekam ich deswegen nicht. Danach war ich auf der falschen Hand, das wenden, eine Art von Volte mit Handwechsel, klappte gut, auf der linken Hand der Kreisel auch. Die Schlesier sind keine Schulpferde, sie sind zwar alles schon hunderte Male gelaufen, trotzdem machen sie nur das, was man anfordert (oder ebend nicht).

Danach bin ich als Mitfahrer 1 Std. ins Gelände mitgefahren, das macht auch Spaß: man muß nix tun, sondern kann die Natur genießen, wir sahen ein paar Rehe und Böcke. Morgen fahre ich nochmals mit, danach bin ich selbst immer der Fahrer - dabei lernt man natürlich am meisten.

Nach dem Mittagessen machte ich ein Schläfchen, anschließend wusch ich mit einem anderen Gast die Trainingskutsche. Raymund fand das überflüssig, aber wir hatten Lust dazu. Als Dankeschön bekamen wir leckeres Eis spendiert, hier esse ich jede Menge, alles schmeckt sehr gut, die Frau von Raymund ist eine ausgezeichnete Köchin.

Das Buch "Fahrschule fürs Pferd" habe ich fast durch, die erste Hälfte habe ich allerdings vor einiger Zeit bereits gelesen únd das meiste wieder vergessen, werde diesen Teil nochmals durchgehen. Training am langen Zügel habe ich bisher vernachlässigt, das werde ich nun nachholen. Mit meinen 10-Min-Trainingseinheiten werde ich ewig brauchen, also wird zukünftig mindestens eine 1/2 Std. pro Pferd trainiert.

Nepomuk werde ich außerdem öfters mal frei longieren und viel traben lassen, damit er Kondition aufbaut. Für Barbie ist Longieren die nächsten Monate nichts wegen ihrer Hufbeimrotation, ich kann froh sein, wenn ich sie irgendwann mal wieder reiten kann.

Raymunds Schlesier sind ausgezeichnet erzogen, sie gehen alleine von der Kutsche weg in den Gang zum Stall und warten dort, bis er kommt, um sie "auszuziehen". Wenn man alleine zwei Pferde versorgt, müssen die parieren, früh hat er allerdings immer einen Helfer, der auch den Stall macht.

Brak machte heute Anstalten, mit Geschirr in seine Box zu gehen, da gab es ein scharfes Wort und eine geklatscht, danach stand der Schlesier stramm. Die Pferde gehen auch frei auf dem eingezäunten Weg von der Weide in die Box, wenn einer stehen bleibt, um am Rand Gras zu knabbern, reicht ein Wort von Raymund und das Pferd geht weiter.

Ich habe beschlossen, nun etwas strenger mit Barbie und Nepomuk beim Führen zu sein, auf dem Weg zum Putzplatz und zurück wird kein Gras mehr gefressen. Am Schluß vom Ausritt auch nicht, dann geht Nepomuk bis zum Stall halt am Zügel. Beide können die eine Stunde, die ich mal was von ihnen will, ohne Fressen auskommen.

Beim Kutsche fahren fällt Blätter stibitzen von Bäumen usw. eh aus, da beide auf dem Weg gehen müssen. Mit Nepomuk kann man das ab sofort beim Ausreiten üben, ich muß ja auch sehen, wie es seinen Hufen dabei geht. Barbie bekommt Hufschuhe, damit kann sie dann gut auf Schotter laufen.



20. August 2011 - 3 Std. Kutsche fahren

Meine Lenkkünste haben sich seit gestern leider nicht verbessert, heute hatte ich wieder Probleme beim kleinen Zirkel fahren. Das
Fahren ist hauptsächlich eine Sache des Gefühls, d. h. man muß es fühlen, wann man außen nachgibt und annimmt, der äußere Zügel ist der entscheidende. Im Schritt wäre es einfacher, weil man mehr Zeit hat, Raymund läßt aber Kreise immer im Trab fahren.

Im Gelände braucht man kein Zirkel fahren, dort gibt es aber durchaus 90-Grad-Kurven, die man im Trab nimmt. Als Anfänger passiert es oft, daß man die Kurve schneidet, weil man zu früh einlenkt und die Kutsche nicht berechnet. Falls ich im Gelände fahren darf, werde ich darauf genau achten.

Die beiden anderen Gäste durften heute ausfahren, ich fuhr 2 Std. lang mit. Bestes Wetter, nicht zu warm, ein wenig Wind, Sonne, dazu eine wunderschöne Umgebung, da macht Kutsche fahren so richtig Spaß.

Im Schritt gehen die Pferde ca. 5 - 6 km/h, im Trab 11 - 15 km/h. Wir sind heute in 2 Std. 18 km gefahren, mehr als die Hälfte der Strecke wurde getrabt. Es ging öfters mal leicht bergauf und bergab, nicht wie bei uns nur flaches Land. Geschwitzt haben die Pferde nur etwas unter dem Kammdeckel, daran sieht man, wie gut trainiert sie sind. Man merkt auch, daß die Pferde mit Spaß bei der Sache sind, sie gehen gut vorwärts, nie sieht man ein Zeichen von Ermüdung.

Nach dem Mittagessen schlief ich 2 Std., las danach ein wenig, abends schaute ich ein Video von der WM in Riesenbeck an, wo Raymund den zweiten Platz machte.

Beim Anspannen habe ich heute genau zugeschaut, man macht es in folgender Reihenfolge: Pferde an die Deichsel hängen, Leinen im Gebiß einhängen, Handstück an die Kreuzleinen anbringen, inneren und äußeren Zugstrang befestigen, erst rechtes Pferd, dann linkes. Bei Raymund dauert das ingesamt drei Minuten, ein Helfer steht immer vor den Pferden und sichert sie.

Am Anfang brauche ich auch einen Helfer, bis das Anspannen für die Hafis zur Routine geworden ist. Ich könnte mir vorstellen, daß ich es dann auch alleine mache, falls beide ruhig stehen bleiben.

Die ersten Fahrversuche werde ich auf unserem Reitplatz unternehmen, die erste Hürde ist der Holzbalken, der am Eingang am Boden liegt. Wir werden sehen, wie sich das regeln läßt. Auf dem kleinen Platz fahren, bedeutet für mich höchsten Schwierigkeitsgrad, weil jede Ecke eine 90°-Kurve ist und Zirkel fahren ist wie hier der kleine Kreisel, nur noch etwas enger.

Raymund macht viel mit Kommandos, z. B. schneller, langsamer, Gangwechsel, anhalten. Die Peitsche ist übrigens nicht dazu da, die Pferde anzutreiben, sondern damit animiert man z. B. ein Pferd, vermehrt mit der Hinterhand unterzutreten.

Die Kommandos schneller und langsamer muß ich den Hafis noch beibringen, ich werde vermutlich "schneller" für schneller und "hooo" für langsamer nehmen. Die kann ich ihnen beim Longieren und Reiten beibringen, werde auch meine Reitbeteiligung entsprechend
informieren.

Kutsche fahren ist ne tolle Sache, nicht so anstrengend wie Reiten und für die Pferde eine super Gymnastizierung. Der Aufwand ist größer als beim Reiten, dafür kann man dann auch mal 2 Std. oder länger fahren.

Barbie und Nepomuk wird es auch gefallen, sie dürfen zusammen raus, werden ein bissi gefordert und bekommen danach natürlich ein extra Futter :-).


21. Augst - 2 Gespanne

Nachdem die anderen zwei Gäste abgereist waren, durfte ich heute auch das zweite Gespann mit Lemur und Irak fahren.

Erst kam aber "meines" mit Brak (mein Liebling) und Prot dran, den kleinen und großen Kreisel brachte ich mit ihnen heute einigermaßen gut hin. Mit der Biegung der Pferde hapert es aber noch, das ist als Reiter bereits nicht ganz einfach, geschweige denn als Fahrer mit zwei Pferden.

Lemur und Irak sind schwieriger zu fahren, sie gehen höheres Grundtempo und man muß die Leinen ständig in starker Anlehnung haben. Der erste Kreis war ne Katastrophe, ich hatte die Leinen zu lang und war konfus, bis ich alles wieder auf der Reihe hatte, liefen die Pferde bereits wieder Richtung Hauptweg. Danach fuhr ich die Kreise im Schritt (ist normal nicht vorgesehen), das klappte besser, später wieder im Trab.

Irak ist ein mal angaloppiert, ich habe ihn wieder durchpariert, galoppieren tut auch der Meister mit seinen zwei Gespannen nicht. Für Barbie und Nepomuk scheidet das auch aus, die Gefahr, in der Kurve mit der Kutsche umzukippen, ist zu groß.

Mittags gab ich Brak und Prot eine Mohrrübe auf der Weide, um sie dann zu fotografieren, für ersteres bekam ich von Raymund einen Anschiß. Das sei zu gefährlich, weil die Pferde dann auf alle Leute zustürzen, die über die Weide (zum See) laufen, Prot hat Urlauber schon mal gejagt. Daran habe ich natürlich nicht gedacht, weil kein Pferd auf der Ranch sowas machen würde. Aber sie sind (fremde) Menschen auch gewohnt und durch die Offenstallhaltung ausgeglichener.

Eine Familie mit Kind kam heute an, Polen, die fahren aber nicht, und wollten zum See, hatten aber enorm Angst vor den Pferden. Ich habe sie über die Weide geleitet, ich habe ja keine Angst vor Pferden.

Nachmittags machte ich eine kleine Stadtrundfahrt mit dem Auto, zum Laufen war ich zu faul :-), kaufte was an der Tanke ein und ruhte mich danach aus. Fast schon ein bissi zuviel Ruhe hier, jedenfalls komme ich bestens erholt zurück nach Berlin, dort habe ich ja einiges zu tun.

Eine Frau hat hier ihre drei Dressurpferde eingestellt, diese Pferde sind arm dran. Von mittags bis abends stehen sie auf dem Sandpaddock, wo es Null Futter und kein Wasser gibt, ansonsten in der Box. Täglich trainiert sie die Pferde, ihre Reitweise ist sehr hart.
Ihr Umgang auch. Eines erlaubte sich mal, am Gras zu knabbern, als sie absattelte, da bekam es die Zügel auf den Kopf gehauen. Wenn man so mit seinem Pferd umgeht, kann kein Vertrauen entstehen und das Pferd wird nie Höchstleistungen bringen - warum auch?



22. August 2011 - Fortschritte beim Fahren

Beim Frühstück bat ich Raymund, heute selbst das zweite Gespann zu fahren, damit ich mal sehen konnte, wie ein Profi fährt. Ich bin Prot und Brak gefahren, beide Kreisel haben gut geklappt, ich konnte ein Lob einheimsen :-). Heute war meine sechste Unterrichtsstunde, ich finde, ich lerne ziemlich schnell. Trotzdem fehlt mir natürlich noch das nötige Feingefühl, was man er-fahren muß, da geht es um Millimeter, von heute auf morgen hat man das nicht drauf.

Mit Barbie und Nepomuk kann ich das er-fahren, natürlich muß ich sie vorher entsprechend ausbilden. Mit Kandarre kommt die Einwirkung beim Pferd direkter an als beim LG-Zaum, daher muß ich mit den Hafis vor dem Anspannen mehr üben als andere.

Das Mitfahren mit Raymund hat Spaß gemacht, die Pferde laufen bei ihm ganz anders als bei einem Anfänger - wen wunderts. Morgen fahre ich wieder beide Gespanne selbst, am Mittwoch auch, dann hatte ich ingesamt 10 Fahrstunden. Eine Grundlage, ich weiß nun ungefähr, wie es geht, ich muß es "nur" korrekt umsetzen.

Nach dem Fahren fuhr ich nach Miedzychod zum Einkaufsbummel, bis auf ein paar nützliche Kleinigkeiten fand ich aber nichts. Zwei neue schöne Metallschüsseln für die Pferde, je EUR 1,80, ein riesiges Feuerzeug, EUR 2,30, einen Thermobecher mit Kabel für den Zigarettenanzünder, um Kaffee warm zu halten, EUR 5,00, und ein Microfaser-Autopoliertuch für EUR 1,50.

Im Cafe gönnte ich mir einen Cappuchino für ca. 75 Cent, anschließend einen riesen Kebab und großes ein Bier für EUR 3,20, für unsere Verhältnisse günstig :-).

Einen Teil meiner Zlotys gab ich daher im Supermarkt aus, kaufte mir 100% reine Säfte, die hier nur einen Bruchteil als in Deutschland kosten. Für den Rest kaufe ich mir am Mittwoch frische Lebensmittel, die ich in Berlin brauchen kann. Zigaretten habe ich noch keine in Stangen gefunden, die kann ich mit der EC-Karte zahlen. Eine Stange kostet ca. EUR 25,00, die Hälfte des deutschen Preises, mehr als vier darf man aber nicht mitnehmen.

Zurück auf dem Hof, habe ich der Einstellerin beim Longieren ihrer Pferde zugesehen. Ausgebunden, daß die Nase fast die Brust berührte, liefen die Pferde völlig verkrampft, verworfen im Genick, eines schnaufte arg, es bekam in dieser Haltung zu wenig Luft. Selten sieht man Pferde, die derart unentspannt und ohne Schwung gehen, da half auch das viele Treiben mit der Peitsche nichts. Die Dame hat mit Sattel longiert und die Steigbügel hängen lassen, die den Pferden immer wieder in die Flanken schlugen.

Aufgewärmt wurde ausgebunden keine 5 Min. Schritt, die Pferde ließen die Köpfe fast bis zu den Kniekehlen hängen, um in dieser unnatürlichen Haltung einigermaßen schmerzfrei gehen zu können - um das abzustellen, riß sie per Longe am Gebiß. Immerhin hat sie zum "Abreiten" die Ausbinder weg getan, 5 Min. hatten die Pferde Zeit, um die Verspannungen im Schritt zu lösen, dann war Schluß. Die verschwitzten Pferde danach waschen, ist der Dame zuviel, obwohl es hier enorm viele Stechviecher gibt. Vorher geputzt wird keine 5 Min., die Hufe mit Eisen werden nicht kontrolliert, für ein mal den Kopf in die "falsche" Richtung halten gibt es fürs Pferd einen Stoß in den Bauch.

Völlig unmotiviert bekamen sie zwischendurch eins mit der Peitsche, beim Longe umstecken wurde am Gebiß gerissen, damit sie nicht wie die Trauerweiden dastehen, sondern den Kopf durch den Schmerz hochreißen, selten habe ich so verunsicherte Pferde gesehen.

Da gibt es kein Vertrauen, keinen Respekt, sondern nur Angst und Verunsicherung, wie will man mit so einem Pferd auf einem Turnier bestehen? Selbst bei dem härtesten Training kann nie mehr als Mittelmaß dabei rauskommen, weil die Pferde von sich aus überhaupt nicht bereit sind, mizuarbeiten, alles beruht auf Drill.

Die Hafis können froh sein, daß sie nicht als Sportpferd geboren wurden *g* und bei mir gelandet sind, ein schöneres Leben kann man als Pferd wahrlich nicht haben.

Hier auf dem Hof herrscht ein strenger Zeitplan, jeder Tag läuft quasi gleich ab. Auch auf dem Trainingsplatz wird täglich dasselbe gefahren, Schritt, Trab, großer Kreis, kleiner Kreis, Schritt, Trab, Handwechsel, nochmal dasselbe. Bei Ausfahrten traben die Pferde von alleine an, sie wissen genau, wann - auch immer dasselbe. Mir ist das nach einer Woche bereits zu langweilig auf dem Platz, die Menschen und Pferde hier machen es schon seit Jahren so.

Abwechslung finde ich wichtig, nicht nur für mich, sondern auch für die Hafis, Routine wird es bei mir nicht geben. Und wenn einer antrabt, nur weil wir da öfters mal getrabt sind, wird durchpariert. Ich kann auch mal 1 Std. beim Ausritt nur Schritt gehen oder viel traben und galoppieren, je nach Lust und Laune. Die Hafis wissen, daß es keine Routine gibt, ich sage, was gemacht wird und fertig.

Barbie und Nepomuk haben die besten Voraussetzungen, um 1A-Fahrpferde zu werden. Sie sind aufgrund ihrer Haltung stets ausgeglichen, sie vertrauen mir, sie sind nervenstark, motiviert und für jeden Unfug zu haben :-).



23. August 2011 - fast schon Routine

Mit Prot und Brak kam ich heute sehr gut zurecht, jeden Tag ein bißchen besser. Danach fuhr ich Lemur und Irak, fürs zweite Mal auch nicht schlecht. Letztere sind mit deutlich mehr Anstrengung zu fahren, man ist ständig am Zügel verkürzen, weil sie die einem oft aus der Hand ziehen.

Ich überlege, morgen auf das zweite Gespann zu verzichten, die müßte ich wohl wieder auf dem Platz fahren und dazu habe ich keine Lust. Ich bin gespannt, ob ich morgen mit Prot und Brak ins Gelände fahren darf, normalerweise macht das Raymund mit seinen Gästen an ihrem letzten Tag.

Nachmittags habe ich geschlafen und gelesen, inzwischen bin ich froh, daß ich morgen wieder meinen Fernseher und evtl. auch Internet habe. Eine Woche ohne geht, dann wird es ein wenig langweilig, außerdem habe ich alle mitgebrachten Bücher nun gelesen.

Das frühe Aufstehen, 8.00 Uhr, habe ich gut gepackt, meist habe ich vor zwölf Uhr nachts bereits geschlafen, den ganzen Tag draußen macht ziemlich müde. Nun freue ich mich aber wieder auf die weckerlose Zeit, ich bin kein Typ, der gerne nach der Uhr lebt.

Es war ein angenehmer, sehr ruhiger Urlaub, bei dem ich viel gelernt habe. Nun kann ich die Hafis besser ausbilden, traue mir auch durchaus zu, sie selbst einzufahren. Das dauert aber sicher noch bis nächstes Frühjahr, im Winter kann man mit Schlitten ziehen eine weitere Übung einflechten. Barbie wird früher vermutlich auch nicht voll belastbar sein, außerdem kann ich mit beiden ja nicht täglich üben.

Sie fehlen mir bereits ein wenig, die zwei Dicken :-), meine Haustiere natürlich auch. In Berlin habe ich allerdings volles Programm, früher heimfahren wird sich nur schwer machen lassen. Hoffentlich bekomme ich den UMTS-Stick ans Laufen, probiert habe ich es ja schon mit W2k, allerdings ohne großen Erfolg. Zur Not werde ich es mit der Zweitinstallation von XP auf meinem Notebook probieren, wenn der Browser geht, bin ich schon zufrieden.



24. August - Heimfahrt nach Berlin

Ich durfte heute nicht mehr fahren, Raymund hätte mir das eigentlich sagen können. Eine Geländefahrt gab es daher nicht, darüber war ich schon etwas enttäuscht. Ich glaube nicht, daß ich nochmals hinfahre, nächstes Jahr habe ich ja selbst ein Gespann :-).

Ich lud also meine Sachen ein und gab in Miedzychod mein letztes Geld für Lebensmittel aus. Über Kristzyn fuhr ich nach Berlin, alles Landstraße, es war nicht sehr viel Verkehr. Dafür in Berlin dann umso mehr, was ein wenig nervig ist, wenn man durch die halbe Stadt fahren muß. Zum Schluß gab es Sightseeing, ich kam am Alexanderplatz und am Brandenburger Tor vorbei.

Endlich wieder fernsehen *g*, nach dem Ausladen kaufte ich wieder ein, anschließend kümmerte ich mich um meinen Internetzugang per UMTS-Stick. W2k wird derart mit Anfragen bombardiert, es hat ja keine Firewall, daß der Stick damit nicht funktioniert - blöd gelaufen, den neuen TFT-Monitor nehme ich nach München mit. Auf dem Notebook habe ich zwei XP, die Hauptinstallation und eine, die ich noch nie benutzt habe und die daher nicht aktuell ist.

Mit der blanken Installation ging der Stick, auf "meiner" fehlte die Datei usbccgp.sys. Per USB-Stick habe ich die dann von der einen zur anderen Installation transportiert und siehe da - nun klappt es mit dem USB-Stick :-). Endlich zurück in der Zivilisation *g*, in Polen hatte ich nicht mal ein Netz fürs Handy, so einsam lag der Hof.


Das Wichtigste an diesem Urlaub war, daß ich einiges übers Gespann fahren gelernt habe, deswegen war ich dort.

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