Mein gelieber Florian ist in den frühen Morgenstunden am

1. Januar 2001 friedlich eingeschlafen.

Am 27. Dezember 2000 hat Florian plötzlich ohne erkennbare Anzeichen von Krankheit die Nahrungsaufnahme eingestellt, aber noch Wasser getrunken. Ich machte mir noch keine größeren Sorgen, weil es immer wieder mal vorkam, daß er ein bis zwei Tage keinen Apetitt hatte. Als er am 29. Dezember 2000 immer noch nicht fraß und sich selbst von gegartem Huhn, seinem Lieblingsfutter, angewidert abwandte, wurde mir langsam klar, daß er sich auf das Sterben vorbereitet. Einen wunderschönen „Heil“Stein, den mir meine Schwester aus Neuseeland mitbrachte und den ich seitdem immer trug, habe ich ihm an diesem Tag umgehangen, er sollte eine Art Verbindung sein zwischen ihm und mir.
Ein paar Wochen vorher hatte ich die Tierärztin im Haus, weil Florian nicht mehr aufstehen konnte, was mit einigen Spritzen wieder behoben wurde. Die nette und sehr einfühlsame Frau Doktor hatte mir damals schon gesagt, daß man einen Hund auch mit modernster Medizin nicht ewig am Leben halten kann, Florian sei alt und verbraucht und ich solle dankbar sein für jeden Tag, den er noch bei mir sei.
Und weil Florian lebenslang panische Angst vor dem Tierarzt hatte, habe ich am 29. Dezember 2000 darauf verzichtet, ihn anzurufen. Vielleicht hätte sich sein Sterben noch um einige Tage rauszögern lassen, verhindert hätte es wohl kein Arzt der Welt.

Mir wäre das egoistisch vorgekommen, ihn mit allen Mitteln irgendwie am Leben zu erhalten, nur damit er mich nicht verläßt. Er hatte keine Kraft mehr zum Leben und dies mußte ich akzeptieren, so schwer es mir auch fiel.
Ich habe ihn begleitet auf seinem letzten Weg, ihm beigestanden und ihn fühlen lassen, daß er nicht alleine ist. Und ich fand es ganz wichtig, ihm zu zeigen, daß er sterben darf, ich habe ihn losgelassen, denn ich glaube, man kann nur in Ruhe sterben, wenn man mit sich und seinem Umfeld im Reinen ist.
Vom 30 auf den 31. Dezember 2000 hatte er eine schlimme Nacht, Florian war unruhig und mußte sich mehrmals erbrechen. Dafür wollte er unbedingt in den Garten gehen, obwohl er sich mit den 4 Stufen bis zur Wohnung schon etwas schwertat. Ich half ihm raus und nach kurzer Zeit legte er sich in den Schnee, es war inzwischen nach 3.00 Uhr. Da lag er nun, der Hund, der mich 14 Jahre meines Lebens begleitet hat, ich hatte das Gefühl, er wollte draußen sterben. Es war ziemlich kalt und ich versuchte ihn dazu zu bewegen, aufzustehen und reinzugehen, es war nichts zu machen. Gegen 3.30 Uhr war ich schon sehr verzweifelt, sein ganzes Leben lang habe ich ihn nicht tragen können und nun war ich mit ihm mitten in der Nacht ganz alleine im Garten und so hilflos.
Es blieb nichts anderes übrig, ich raffte sämtliche Kräfte zusammen, hob ihn hoch und trug ihn in die Wohnung zurück, wo er sich ruhig hinlegte und einschlief.
Am 31. Dezember 2000 war Florian schon sehr schwach, bestand aber trotzdem darauf, mittags mit mir in die angrenzende Grünanlage zu gehen, sein letztes Gassi auf dieser Welt. In der Wohnung schlief er nacheinander auf all seinen Lieblingsplätzen in der Küche, im Flur und im Wintergarten auf seiner Couch.
Abends kam er in´s Wohnzimmer und ließ sich ausgiebig streicheln, ich hatte schon im Gefühl, daß dies sein letzter Tag sein würde und ihm jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Bis 4.00 Uhr früh saß ich mit ihm zusammen und ging dann erschöpft in´s Bett, ich konnte mich kaum noch wachhalten. In 14 Jahren hat er nie im Schlafzimmer geschlafen, an seinem letzten Abend ging er mit und legte sich neben mein Bett auf den Seidenteppich, wo er friedlich und ruhig atmend ebenfalls einschlief.
Als ich am 1. Januar 2001 aufwachte, war es in der Wohnung ungewöhnlich still. Zwar schlief Florian normalerweise im Garten oder in „seinem Zimmer“ (Wintergarten), so daß ich ihn eigentlich nie hörte, aber die Ruhe an diesem Morgen kam mir ungewöhnlich vor. Bevor ich aufstand, wußte ich schon, daß er gestorben war, allerdings hat er sich dazu in der Nacht auf seinen Lieblingsplatz in der Küche begeben.

Dort fand ich ihn, ausgestreckt und entspannt auf der Seite liegend, völlig unverkrampft und gelöst. Ich habe nicht seine Pfote halten können, als er von dieser Welt Abschied nahm, und hoffe, daß er im Schlaf über die Regenbogenbrücke gegangen ist.

Es dauerte einige Zeit, bis ich im Garten ein Grab für ihn ausgehoben hatte, in der Zwischenzeit haben alle meine anderen Tiere (die vier Katzen und die Hündin Molly) von ihrem toten Freund Abschied genommen.

Meine Mutter kam dazu und wir haben ihn beerdigt mit einer kurzen Andacht, so stilvoll es uns eben möglich war.

Abends kam meine Schwester und wir haben ein Kreuz gebastelt und beschriftet und eine Grableuchte aufgestellt, in der heute noch eine Kerze brennt.


Florian hatte ein wunderschönes und langes Leben ohne ernsthafte Krankheiten und nie einen schlechten Tag erlebt. Nicht nur ich, sondern auch meine Mutter, mein Ex-Freund Fabian, der über sieben Jahre unseren Weg teilte, sondern auch meine Oma und meine Tante haben ihm jeden Wunsch von den Augen abgelesen.
Er hatte viele Freiheiten, für die ich mich vor manch äußerst konsequentem Hundehalter rechtfertigen mußte, aber er hat sie nie ausgenützt.
Florian hat mir in seinem langen Leben viel gegeben, wir haben uns blind vertraut und wußten, daß wir uns aufeinander verlassen können. Er hätte sein Leben für mich riskiert und ich auch meines für ihn, dies war aber nie nötig.
Er mag nur ein Hund gewesen sein, aber er war mein treuer Freund und Wegbegleiter, den ich immer noch sehr vermisse. Zu keinem meiner Tiere habe ich ein so enges Verhältnis wie ich es zu ihm hatte, Florian war etwas Besonderes und wird immer einen festen Platz in meinem Herzen haben.
Seit seinem Tod trage ich wieder den Halbedelstein, den ich Florian nach seinem Tod abnahm, es ist ein schönes Gefühl, etwas zu haben, was er auch getragen hat.

 

Leuchtende Tage.
Nicht weinen, daß sie vorüber.
Lächeln, daß sie gewesen!


(Konfuzius)

Das letzte Foto vom 24. Dezember 2000