Am 24.03.1997 brachte Mucki vier Babys zur Welt, zwei schwarze Kater und zwei braun getigerte Katzen, der Wurf war kein Unfall, sondern beabsichtigt. Zu diesem Zeitpunkt lebten bei mir außer Mucki Florian und Merlin und ich hatte nicht vor, mir weitere weibliche Tiere anzuschaffen. Es war daher meine "letzte" Chance, mal eine Geburt und die Aufzucht von Tierkindern mitzuerleben, selbst möchte ich keinen Nachwuchs und eigentlich habe ich mehr ein Faible für männliche Tiere ;-).
Während der Geburt um 14.00 Uhr saß ich gebannt und fasziniert vor meinem Kleiderschrank, in dem sich Mucki in der Wurfkirste, und war schwer beeindruckt, mit welcher Leichtigkeit und Sicherheit sie ein Baby nach dem anderen auf die Welt brachte und versorgte.
Merlin war sehr neugierig, hatte aber großen Respekt vor der stolzen Mutter, Florian dagegen hat bereits am Abend seinen großen Schädel in die Wurfkiste gestreckt, um die Kleinen zu beschnuppern. Meine Sorge, daß Mucki etwas unwirsch reagieren könnte, war unbegründet, sie vertraute Florian und hatte nichts dagegen.
Am dem 17.04.1997 begannen Mogli, Mohrle, Mouse-House und Momo, ihre Umgebung zu erkunden und die Wurfkiste zu verlassen. Die kleinen Kater sind ziemlich verfressen und freuen sich über von mir angebotenen Hüttenkäse, die kleinen Tiger bevorzugen es weiterhin, Mucki auszusaugen.
Obwohl Mucki mit einem Katzenklo nichts anfangen kann und demgemäß ihrem Nachwuchs dessen Sinn und Zweck nicht nahebrachte, haben alle vier Zöglinge von Anfang an dessen Aufgabe erkannt und es benutzt.
Merlin sind die keinen wuseligen Babys unheimlich, wenn sie auf ihn zustürzen, faucht er bedrohlich, wird vom Frauchen geschimpft und aus dem Spielzimmer bugsiert. Ab dem 24.04.1997 haben die Kleinen festen Kot und das manchmal genervte Muttertier Mucki verzichtet darauf, mit ihnen in der Wurfkiste zu schlafen. Sie zieht sich immer mehr zurück und überläßt es Merlin und manchmal Florian, als Spielzeug für die Bande herzuhalten. Anscheinend erkennt Merlin langsam, daß es sich um Artgenossen handelt und verfällt nicht in Knurren und Drohen, wenn er attackiert wird. Langsam aber sicher wurde die ganze Wohnung erkundet, jeder schläft, wo es ihm gefällt, Mucki zieht es vor, sich hauptsächlich draußen aufzuhalten und Merlin bevorzugt erhöhte Spähplätze, um dem lustigen Treiben gesichert zuschauen zu können.
Mir hängt der vorwitzige Mogli des öfteren an der Hose und nachts werden wilde Verfolgungsjagden über das Bett veranstaltet, was beim Familienernährer zu erheblichem Schlafmangel führte. Der anfängliche Respekt vor dem übergroßen Florian hat sich gelegt und dem gutmütige Boss wird gemeinerweise hinter der Tür aufgelauert, um ihn dann vorwitzig anzuspringen. Er nimmt es mit Gelassenheit, von Merlin und Mucki als Babys war er ja schon einiges gewohnt.
Nichts ist mehr sicher, überall in der Wohnung findet man kleine Katzen, beliebt sind Vorhänge hochklettern, in den Zimmrpflanzen buddeln und alles, was sich bewegt, attackieren.
Ohne mein Zutun findet der Umzug in den Wintergarten statt, am 05.05.1997 war er vollzogen und ich sah störungsfreien Nächten entgegen.
Die Übermacht an wilden spielsüchtigen Katzenbabys ist stark, so daß sich das Restrudel (Merlin und Florian) fast nur noch im Garten aufhalten und Mucki nun ihre Hauptaufgabe darin sieht, lebende Mäuse als Spielzeug in die Wohnung zu schleppen.
Am 16.05.1997 geht es das erste Mal unter meiner strengen Aufsicht in den Garten, wobei Mucki mich tatkräftig unterstützt. Sämtliche Ausreißerversuche in die Nachbarschft können von uns noch erfogreich unterbunden werden, wobei Mucki mir einen überforderten Eindruck macht.
Zwei Tage später ist es verdächtig ruhig in der Wohnung, nach hektischer Suche finde ich die wilde Bande lustig tobend im Garten. Wie diese kleinen Geschöpfe es geschafft haben, durch die relativ hoch eingebaute Hunde- und Katzentüre zu entwischen, bleibt mir ein Rätsel, jedenfalls ist nun eine ständige Beaufsichtigung nicht mehr möglich. Der Nachbarskater schaut auch neugierig vorbei und wird zur Strafe von Merlin und Mucki gemeinsam vom Grundstück geprügelt und verjagt, so daß ich mir um die Sicherheit des Nachwuchses kaum Sorgen mache. Ab sofort bin ich ständig auf der Suche nach "vermißten" Katzen, sie schlafen versteckt im Komposthaufen oder in der Hecke, klettern auf Bäume und sind nicht mehr zu bändigen.
Mucki als gute Mutter schleppt täglich Mäuse an, falls der Nachwuchs gerade schläft, scheut sie sich aber nicht, die Mahlzeit selber zu verputzen.
Aus meinem festen Entschluß, unter gar keinen Umständen eine weitere Katze zu behalten, wurde die Entscheidung, Mogli in unser Rudel aufzunehmen. Dann aber hätte ich Mouse-House alleine vermitteln müssen und Mogli hätte keinen Spielkameraden in seinem Alter, kurz: ich fand jede Menge Gründe, warum ich sie auch noch behalten mußte. Frauen können herrlich inkonsequent sein, übrigens war ich schon immer Spezialist dafür, das Unmögliche möglich zu machen ;-).
Nachdem ich ungefähr 30 Bewerber für Mohrle und Momo - die ich nur gemeinsam gegen Schutzvertrag an einen Freilaufplatz abgeben wollte - abgelehnt hatte, meldete sich eine liebe Frau.
Am 21.06.1997 kam der schwere Abschied von dem süßen Freßsack Mohrle und der eigenwilligen Momo, ich packte sie in den Katzenkorb, lud Florian ein und wir steuerten ihr neues Zuhause an. Ich schaute mir alles an, dann ließen wir die zwei Kleinen aus dem Korb. Als Momo vor lauter Angst versuchte, sich unter Florian zu verstecken, standen mir die Tränen in den Augen, am liebsten hätte ich beide wieder mitgenommen. Schnell verabschiedete ich mich und fuhr heulend nach Hause, ständig über die Frage nachdenkend, ob sie es dort auch guthaben werden.
Diese Trennung war fast schlimmer als der Tod, man macht sich Sorgen und Gedanken, weil man nicht weiß, ob es den liebevoll aufgezogenen Zwergen an nichts mangeln wird. Ich mußte mir Mohrle und Momo aus dem Herzen reißen, was zu dem Entschluß führte, nie mehr Tierkinder aufzuziehen. Mucki wurde kastriert und als ihre Tochter Mouse-House 1 1/2 Jahre war, ließ ich sie auch operieren, alles verlief problemlos.

Die Zeit mit meiner Vierer-Bande war wunderschön, es ist ein einmaliges Erlebnis, die Geburt und das Aufwachsen von Mitgeschöpfen zu beobachten. Ohne Katzen könnte ich nicht mehr leben, sie begleiten mich genauso wie meine Hunde. Jede ist eine kleine Persönlichkeit mit anderen Vorlieben, Freigeister, die sich nicht einengen lassen.

Ich liebe sie, aber anders wie meinen verstorbenen Florian. Er hat mehr von mir verlangt, mir dafür aber auch mehr gegeben. Er war etwas Besonderes, mit anderen Hunden (auch mit Molly) nicht zu vergleichen, diese tiefe Verbundenheit und das blinde Vertrauen hatte ich bisher nur zu ihm.