Haben Tiere eine Seele?

(von Pfarrer Fritz Betzwieser, München, leider viel zu früh verstorben)

Ich wurde gefragt: „Hat das Tier eine Seele?“

Nun sitze ich neben meiner Katze, die mich beobachtet, die schnurrt, weil sie sich wohlfühlt, die dieselbe Luft atmet wie ich, und die dann müde wird und schläft, wie ich.

Der französische Philosoph Descartes fällt mir ein, der vor etwa 350 Jahren das unselige Wort geprägt hat, das Tier sei ein Automat.

Kann ein Automat sich freuen. traurig sein, Angst haben, treu sein, empfindsam sein?

Von einem Automaten habe ich nie Zuneigung erfahren. Es ist von keinem Automaten bekannt, daß er an das Grab seines „Besitzers“ ging und dort aus Gram gestorben ist. Von Hunden wissen wir dies.

Wir atmen nicht nur die gleiche Luft. Wir essen auch fast dasselbe, meine Katze und ich. Ihr Herz ist kleiner. ihr Kreislauf auch. Ihr Hirn hat weniger Zellen als meines, und dennoch findet sie sich in ihrem Lebensbereich sehr gut zurecht.

Wenn man die Seele als Prinzip, als Ursache des Lebens, der Lebendigen bezeichnet, dann hat meine Minka eine Seele. die sie von dem Augenblick an, als sich Ei und Same vereinigt haben, geformt und gestaltet hat.

Und einmal - ich habe Angst vor diesen Augenblick - wird dieses Prinzip des Lebens, das wir Seele nennen, diesen kleinen schönen Katzenkörper verlassen, und dieser wird dann - wie mein Körper auch - von Würmern zerfressen werden und verfaulen.

Platon, der griechische Philosoph, nahm schon die Unsterblichkeit der Tiere an.


Meine Minka ist ein Philosoph: Sie staunt, sie hat Muße und sie kann spielen. Ich habe es fast verlernt.

Der griechische Philosoph Aristoteles wurde einmal gefragt: „Warum soll man Vater und Mutter ehren?“. Er gab zur Antwort, daß, wer so frage, keiner Erklärung bedürfe, sondern verdiene, gestraft zu werden, So könnte man auch denen antworten, die nach der Seele beim Tier fragen. Für Aristoteles ist die Seele das formende Element des Körpers. Alles Lebendige hat also dieses Prinzip in sich, das es prägt und zu dem werden läßt, was es sein soll, die Katze zur Katze und nicht zum Dobermann. Die Seele ist nicht nur das Formprinzip, sie ist auch der Ort der Fühligkeit des Tieres. Das Tier hat nicht Angst wie wir Menschen. aber wenn es Angst empfindet, dann immer Todesangst, obwohl es nicht weiß, daß es sterben muß, wie wir. Wir können uns Hoffnung machen. Unser körperlicher Schmerz kann durch die Vorstellung von Heilung gemindert werden. Das Tier versinkt ins Bodenlose bei seinen Schmerzen, es kennt keine Hoffnung auf Heilung.


Als der französische Kunstflieger Bokanowski mit seinem Flugzeug abstürzte und verbrannte, starb zur gleichen Zeit seine Lieblingskatze schreiend und unter furchtbaren Krämpfen. Wenn der Apostel Paulus schreibt, daß die Kreatur seufzt und sich nach Erlösung sehnt, dann meint er hier nicht die Stimmbänder, die die Klagelaute hervorbringen, sondern Leib und Seele einer „unbeweinten Kreatur“.

 

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